Erste Hilfe draußen

Die Kinder spielen am kleinen See und freuen sich, erste Kaulquappen im trüben Wasser zu entdecken. Die Erwachsenen sitzen an unserem Lagerplatz in der wärmenden Frühlingssonne. Es ist Sonntag Nachmittag und wir nutzen das schöne Wetter im April, um mit den Kindern an einem Naturspielplatz zu picknicken. Das Gelände ist für die Kinder der drei Familien, mit denen wir unterwegs sind, ein idealer Spielplatz draußen: jede Menge Klettermöglichkeiten und Spielgeräte, eine schöne Wiese und ein kleiner See, der zum Fischen mit dem Kescher einlädt. Unsere beiden Söhne sind beschäftigt und ich frage mich, ob ich nicht die Zeit nutzen kann, in dem angrenzenden Wald ein wenig spazierenzugehen und die frischen Blätter an den Bäumen zu kosten. Das kleine Wäldchen besteht aus alten Kiefern und einigen Gruppen von Birken. Ich nutze also meine Chance und inspiziere ein wenig die Kiefern und suche nach frischen neuen Kiefernnadelspitzen. Ein paar kleine probiere ich und schmecke den deutlichen aber feinen Harzgeschmack. Sie sind etwas gewöhnungsbedürftig, aber als kleines Survival-Food durchaus genießbar. Ich sehe zu meiner Freude auch eine große Kiefer, an der es unten einige harzige Rindestellen gibt. Ich bin schon seit Wochen auf der Suche nach Baumharz und freue mich sehr beim Anblick der kleinen Stellen, entschlossen gleich nachher zurückzukommen und etwas mit dem Messer herauszubrechen. Zunächst suche ich aber noch ein zwei große frische Kiefernnadelspitzen, die ich Nadine zum Kosten mitbringen will. Sie ist gemeinsam mit den anderen Erwachsenen am Picknickplatz und so mache ich mich auf, zum Platz zurückzukehren – mit den Kiefernspitzen in der Hand. Um sie so genießbar wie möglich zu machen, entferne ich beim Laufen die kleinen braunen Reste der Äste von den frischen Nadeln. Und bin so auf dem Weg zurück, als auf halben Weg ein dumpfer Schlag auf den Kopf mich jäh aufhält. Ich spüre einen sehr dumpfen, sehr starken Schmerz am Kopf oberhalb meiner Stirn. Gleichzeitig schmerzt meine Zunge, ich habe das Gefühl, sie sei betäubt. Ich kann nur nach unten schauen, erahne aber über mir, was die Ursache für mein Unfall ist. Ich bin beim Laufen gegen einen mindestens beindicken Birkenast gerannt, der ziemlich genau horizontal in meiner Höhe von rechts nach links meinen Weg kreuzt.
Ich ärgere mich. Aber im gleichen Moment merke ich wieder wie sehr mein Schädel brummt und schmerzt, und mit welcher Wucht ich offensichtlich gegen den dicken Ast gelaufen bin. Leicht benommen versuche ich einen kleinen Check zu machen. Meine Zunge scheint zwar etwas betäubt zu sein – ich nehme an, dass ich beim Schlag darauf gebissen habe -, aber sie schmerzt nicht mehr sehr. Vielmehr bemerke ich jetzt, dass eine große Wunde an meinem Kopf sein muss. Blut läuft mir die Haare herunter und wenn ich meinen Kopf abtaste, verfärbt sich meine Hand blutrot. Der Ast hat sich wohl keinen Millimeter bewegt; so muss es sich anfühlen, wenn man gegen Beton rennt, denke ich mir später.

Das ganze dauert nur circa 30 Sekunden, dann gehe ich mit kleinen Schritten zu meinem eigentlichen Ziel langsam weiter. Ich spüre, wie mir das Blut über die Stirn ins Gesicht läuft. Das empfinde ich aber in der Situation gar nicht besonders schlimm. Viel schlimmer sind immer noch die Schmerzen von dem dumpfen Schlag, die sich zu einem immer stärkeren Kopfschmerz entwickeln.
Ich gehe also auf unsere Gruppe zu, die auch gleich bemerkt, dass ich verletzt bin. Blut oder der Anblick dessen macht mir nicht viel aus, aber ich kann mir vorstellen, dass der Anblick meines blutenden Kopfes für die Gruppe erst mal sehr dramatisch aussieht. Fast angekommen will ich eigentlich nur eins, nämlich die Blutung stillen! Und so frage ich sofort nach einem einfachen Art Druck- oder Verbandspäckchen, um es einfach auf die Wunde zu drücken und so hoffentlich die Blutung zu stoppen. Einen richtigen Verband will ich gar nicht. Zum Glück haben wir immer ein kleines Erste Hilfe-Set dabei und wir finden schnell etwas, das ich mir flächig auf den Kopf drücken kann. Nach einigen Minuten scheint die Wunde auch wirklich nicht mehr nachzubluten und ich ruhe mich etwas auf unseren Decken aus. Bis auf die starken Schmerzen am Kopf geht es mir soweit wieder gut. Ich bin froh, dass wir für so einen „Fall der Fälle“ etwas ausgerüstet sind und auch auf die ein oder anderen Praktiken, die wir in entsprechenden Kursen gelernt haben, zurückgreifen können. Das alleine gibt schon Sicherheit.

Einige Zeit später kann ich aufstehen und die nahegelegenen Toiletten aufsuchen, um das Blut von meinem Gesicht und den Händen behelfsmäßig abzuwaschen. Ich fühle mich einigermaßen okay, nur der Schmerz am Kopf wird noch die nächsten zwei Tage bleiben.
Unsere Kinder spielen schon wieder am See und freuen sich über den mitgebrachten Kuchen. Und auch ich gehe nochmals zu den Kiefern in den Wald, um mir noch etwas Baumharz mitzunehmen.

ErsteHilfeSet

Seit dem kleinen Unfall ist mittlerweile eine Woche vergangen und ich blättere in einem Wildnisführer-Büchlein. Im Kapitel „Sicherheit und Reserven“ gibt es einige Hinweise zur Wundversorgung und was bei starken Blutungen zu tun ist. Über Erste Hilfe draußen Bescheid zu wissen, kann nie schaden, denke ich. Und fange an zu lesen…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s