Pflanzenfresser

PflanzenKurs-WegerichDie Weinberge Nordbadens liegen mir zu Füßen. Ich blicke weit in die Rheinebene bis fast nach Frankreich. Vor mir eine kleine Gruppe von Leuten, Papier und Stift in der Hand. Es ist 9 Uhr morgens und der Himmel ist etwas wolkenverhangen. Inmitten einer Grünlandparzelle im Nordschwarzwald sitzt eine Gruppe wissbegieriger junger Leute, die lernen will, wie man sich in einer Notsituation draußen allein von Pflanzen ernährt. Ich bin einer von ihnen.
Oft werde ich seltsam beäugt, wenn ich davon erzähle, was man draußen in der Natur alles essen kann. Vieles was unsere Großeltern noch wussten, ist für uns im Supermarkt-Zeitalter ja in Vergessenheit geraten. Kaum jemand traut sich noch, eine Frucht direkt von einem Baum zu essen.
Heute will ich also von einem Experten für Survival noch mehr über pflanzliche Notnahrung lernen. Und mit meiner Begeisterung bin ich nicht allein.

Zunächst gibt es einige theoretische Inputs über Taxonomie und Aufbau der Pflanzen, bevor wir uns den essbaren Teilen zuwenden. Auch der Unterschied von Giftpflanze, Heilpflanze und essbarer Pflanze kommt in der Diskussion nicht zu kurz. Wir lernen verschiedene Merkmale, wie z.B. Blatt- und Blütenform, die uns später beim Erkennen draußen helfen werden.
Zur Mittagszeit habe ich bereits das Gefühl, dass meine Aufnahmekapazität, was die Pflanzenkunde-Details angeht, überschritten ist. Ich fühle mich wie in einem Crash-Kurs Biologie…

Endlich werden wir aktiv und sammeln Zapfen, bestaunen essbare Pflanzenteile und Wurzeln auf Wiesen und am Waldrand. Auf diesen Teil habe ich mich am meisten gefreut: learning by doing. Allerdings stellt sich schnell heraus, dass das Bestimmen der Pflanzen doch eher den Kennern vorbehalten ist. Wir lauschen daher den Ausführungen unseres Trainers und kosten immer mal wieder, als dass wir schon selbst Essbares im wilden Pflanzengewühl links und rechts von uns finden. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich mit jedem kleinen Blatt, das ich probiere, und mit jeder Pflanze, die ich versuche zu erkennen, doch etwas an Erfahrung dazugewinne. Das freut mich.
Am Ende des Tages sitzen wir alle nochmal in der Gruppe zusammen, wischen unsere Teller von den selbstgesammelten Bärlauch-Spaghetti aus und lassen unseren Blick nochmals zufrieden über die Weinberge schweifen. In der Luft fliegen die ersten Maikäfer und suchen die leckeren Blätter von Obstbäumen als Nahrung – ganz ohne „Pflanzenfresser“-Kurs.

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